Die Würde des Menschen ist unauffindbar | Telepolis

Gefunden haben ich diesen Beitrag über meinen Facebook-Kontakt Th. Heise (lustige Namenskonkordanz :)). (Gesellschafts-) Politisch gesehen, scheint mir dieses Zitat den Kern des Tafel-Problems gut zu beschreiben:

Problematisch ist nur, dass die für die Lebensmittelindustrie imagefördernde und kostensparende Entsorgung von Lebensmittelüberschüssen an Tafeln weder das Überschuss- noch das Armutsproblem ursächlich löst. Die Lebensmittelkonzerne und weitere Unterstützer erkaufen sich mithilfe der liebgewonnenen Tafeln lediglich Ruhe, damit sie ihrem Kerngeschäft, der Gewinnmaximierung, nachgehen können. „Social Washing“ in Zeiten inszenierter Solidarität.

Was in Zeiten des gezielten Leistungsbezieher-Bashings m.E. auch übersehen wird: Diese Menschen geraten in der überwiegenden Mehrzahl aufgrund strukturell-gesellschaftlicher Veränderung in eine Situation, die man mindestens als geduldete, wenn nicht gar erwünschte Ausgrenzung bezeichnen muss. Einmal abgerutscht, ist der Rückweg in Lohn, Brot und selbsttätiges Erwirtschaften der eigenen Existenzgrundlage häufig verbaut – auch das ist mindestens ein Nebeneffekt der Beschaffenheit des Hartz-IV-Systems. Viele ehemals Erwerbstätige können nie mehr in den erlernten Beruf zurück, weil für diesen entweder generell kein Bedarf mehr besteht oder die Bezahlung für die Sicherung der eigenen Existenz nicht ausreicht – wonach der Apparat dann per Gesetz gezwungen ist, diese Menschen in jedweder anderen zur Verfügung stehenden Form zu „beschäftigen“, nicht selten in sinnlosen Bewerbungstrainings, wenig zielführenden Umschulungsmaßnahmen u.ä. Und schlimmer: Die Sanktionspraxis zeigt ja gerade das schändliche, ihr innewohnende Nötigungspotential in gering bezahlte Beschäftigung („In der Praxis der Behörden dienen die Sanktionen längst als Instrument der Erpressung“) weit unter erarbeitetem Qualifikationsniveau, das – so bekunden es zahlreiche persönliche Berichte quer durch’s gesamte Internet und insbesondere die publik und prominent gewordene Arbeit von Inge Hannemann – von den Jobcentern auch in vollem Umfang angewendet wird.

Man darf bei all diesen Vorgängen – Globalisierung und die damit einhergehenden veränderten ökonomischen Anforderungen hin oder her – nicht vergessen, dass diese Menschen ihrer Lebensleistung beraubt werden und wurden! Auch ein „Hartzer“ hat jahre- oder jahrzehntelang Steuern entrichtet, in Renten- und Sozialversicherung einbezahlt, Krankenversicherungsbeiträge abgeführt usw. usw. Im mindesten sollte jedem Leistungsempfänger der letzte „status quo“ seines vormaligen Lebensstandards erhalten bleiben – was die soziale Absicherung vor 2005 auch weitgehend sicherstellte-, wenn strukturelle Veränderungen dazu geführt haben, dass die Weiterbeschäftigung im erlernten Beruf oder einer der Qualifikationen entsprechenden Tätigkeit nicht mehr gewährleistet werden kann. Der – strukturell bedingt – erzwungene Abstieg ist Diebstahl, in einigen schweren und ebenfalls dokumentierten Fällen sogar in gefährlicher Nähe zum Raubmord!

Die Würde des Menschen ist unauffindbar | Telepolis.

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Über renovatio06

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