Das Gegenteil von Achtsamkeit

An manche Dinge gewöhnt man sich, an andere nicht. Wahrscheinlich ist das so, weil es eben Dinge, Menschen und Verhaltensweisen gibt, die dem eigenen Strickmuster vollständig zuwiderlaufen. Oder so ähnlich. Jedenfalls erschüttert es mich ein um’s andere mal, wie es ausgerechnet unter Künstlern, speziell unter Musikern, speziell in meinem Heimatbereich unsensible Vollpfosten gibt, deren dumm-dreist zur Schau gestellte Arroganz und an Einfalt schwer zu überbietende Denkweise an Körperverletzung grenzt. So geschehen erst wieder gestern und auch vor einigen Wochen einmal, wo solche Vertreter ihre eigenen Unsicherheiten und unbearbeiteten Konflikte sowie daraus resultierende undifferenzierte Weltsicht und das, was man früher mal allgemeinhin als Umgangsformen bezeichnet hat, mit eben erwähnter, unreflektierter und hilflos-peinlicher „Platz da, jetzt komm ich!“-Mentalität zu kompensieren suchen. Interessanterweise – so jedenfalls meine Beobachtung – hat sich solch eine Mentalität nicht selten auch physiognomisch manifestiert: Selbst bis ins Innerste zerrissen und verunsichert, fressen sich solche Menschen gern einen sichtbaren „Schutzwall“ an. Sprich: Sie sind übergewichtig. Und so kommt eins zum anderen: Übergewicht macht träge, körperlich wie geistig, und die mentale Einbahnstraße verfestigt sich. Was zu immer noch platteren Allgemeinplätzen und Meinungsdogmen führt. Wie gesagt: Peinlich, vor allem für jene selbst.

Richtig unerträglich wird es aber, wenn man in der Absicht achtsamer Rücksichtnahme auf all das oben Beobachtete und Sichtbare einen Schritt zurück tritt, die sowohl implizit als auch explizit sichtbaren Verwundungen – zunächst mal jedenfalls – nicht weiter „bedient“, diesen erkennbar strauchelnden Charakteren Raum gibt, der „keine Gefahr“ signalisieren soll und eigentlich Deeskalation und gegenseitige Entspannung bedeuten könnte, um sich dann unmittelbar darauf den unipolaren Hau-Drauf-Reflex einzufangen. Ich muss gestehen, dass ich in meiner eigenen Entwicklung noch nicht weit genug bin, um derlei Entgleisungen gleichmütig hinnehmen zu können. Vielmehr sprechen da leider noch meine eigenen „Not aus!“-Knöpfe an und jegliche über die Jahrzehnte mühsam eingeflochtenen Sicherungen glühen ohne weitere Vorankündigung durch. Glücklicherweise nur mental-emotional, was mir – toi, toi, toi! – bislang größere Schwierigkeiten erspart haben dürfte. Schmerzhaft, ärgerlich und beleidigend bleibt es aber trotzdem, zumal ich mich dann immer fragen muss, wozu ich mich um solch menschliche Ausfallerscheinungen derart bemühe. Zumal da auch hier meine – resignierte – Erfahrung ist, dass Vollhonk eben Vollhonk bleibt und es meistens noch bestenfalls zum Klappspaten schafft. Das aber abzuwarten, dazu ist mir meine Lebenszeit zu schade und zu knapp – ich bin ja nicht Jesus oder Buddha oder Martin Luther King oder Ghandi oder sonst eine Lichtgestalt mit Weltverbesserungsauftrag. Stattdessen hab‘ ich selbst noch eine ausreichende Zahl an Hausaufgaben, die mich vollauf beschäftigen. Ich erlaube mir daher in diesen beiden (bzw. genau genommen drei) Fällen, es mir einfach zu machen: Der Facebook-Freundschaftshaken wird halt einfach wieder entfernt, das sind genau zwei bzw. drei Mausklicks. Für die Online-Welt habe ich damit erstmal meine Ruhe. Im richtigen Leben muss man sich mit solchen Leuten leider immer noch den Planeten, die sich unablässig erwärmende Atemluft und womöglich die gleiche Parklücke teilen. Ärgerlich genug. Hätte der Schöpfer mal lieber das universelle „unfriend“-Häkchen in die Schöpfung eingebaut – schon wäre überall Frieden.

Peace und gehabt Euch wohl (aber nicht in meiner Nähe, bitte).

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Über renovatio06

Former pro-musician, followed by 20 years in the IT(C) industry, trying to return to music & words. Zeige alle Beiträge von renovatio06

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