„You win some, you lose some. But you’ll live – to fight another day.“

Das Zitat entstammt dem – ansonsten dem für Europäer kaukasischer Herkunft eher zäh nachvollziehbaren Humor im – Film  „Friday“. Aber den Satz fand ich irgendwie beeindruckend, wobei mir klar ist, dass ich ihn hier natürlich völlig „artfremd“ – grenzwertige Formulierung an der Stelle… – sagen wir besser: Außerhalb seines gewohnten Umfelds und Kontextes verwende. Den Satz sagt ein amerikanischer Vater afrikanischer Herkunft seinem Sohn angesichts eines unerwarteten Waffenfundes in dessen Nachttischschublade und der offenkundig anstehenden Verwendung dieser Handfeuerwaffe. Und er hält mit diesem kurzen Satz und dem vorausgehenden Monolog ein Plädoyer für den Faustkampf anstatt der Verwendung von Waffengewalt. Nicht gerade eine friedensnobelpreisverdächtige Rede, aber angesichts der hohen Gewaltbereitschaft in USA und dem per Constitution verbürgten Recht auf Selbstverteidigung per Waffengewalt eine veritabel deeskalierende Ansage. So weit, so gut.

Für mich ist eigentlich nur der erste Satz relevant, da er in schlichten Worten eine elementare Lebensweisheit ausdrückt: „You win some, you lose some.“ Mal gewinnt man, mal verliert man. Keiner kann immer nur gewinnen und keiner ist immer nur Verlierer. Und obschon ich zu Extremen neige, sowohl in meinen Ansichten als auch in so mancher meiner Äußerungen, drückt dieser Satz insofern meine persönliche Sehnsucht nach der Mitte aus. Nach Zentrierung, Gelassenheit, Eins-Sein mit sich und der Welt, vielleicht sogar im-Augenblick-Sein. Jedenfalls trat dieser Satz aus den schummrig beleuchteten, gemütlich befriedeten Zonen des Langzeitgedächtnisses in das kalte Neonlicht aufmerksamen, gegenwärtigen Wachbewußtseins. Und zwar anlässlich einer gestern erlebten persönlichen Niederlage, die man für sich betrachtet zum einen als sehr wahrscheinlich hatte einstufen müssen, die mir aber zum anderen erneut ins Gedächtnis rief, warum mein bisheriges Erwachsenenleben für den Moment zu diesem Ground Zero einer Existenz geführt hat. Verdichtet man die Meilensteine und Einzelerlebnisse meines bisherigen beruflichen Werdegangs auf eine Quintessenz, so scheint sich für mich klar abzuzeichnen, dass ich einfach zu wenig stromlinienförmig bin. Etwas deutlicher gesagt: Ich mag Opportunisten nicht, keine „Spezl Connections“ und/oder unmotivierte Dünnbrettbohrer und Trittbrettfahrer in Schlüsselpositionen. Bedauerlicherweise ist aber die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich genau dieser Typ Mensch in solcherlei Schlüsselpositionen findet: Angepasste Abnicker, Befehlsempfänger, Bio-Maschinen, die durchreichen, was ihnen von oben aufgetragen wird. Oder ganz derb und ungeschminkt: Katzbuckler, Speichellecker, Arschkriecher. Solche Typen mag ich nicht um es mal ganz, ganz behutsam zu formulieren… Genau solche Typen sitzen sich aber gern und häufig mit selbstgefälligem Lächeln ihrer feisten Dummfressen in flatulenzgeprüften Büroseseln oder Amtsstuben das Sitzfleisch noch wachsweicher als ihr feuchtwarmer Händedruck schon ankündigt. Ganz schlimm wird’s für mich, wenn die biegsame Gräte – an der Stelle, wo sich bei Menschen anderen Kalibers ein robustes Rückgrat befindet – dann auch noch im Gewand der Arroganz zur Kompensation umfassender Ignoranz daherkommt. Spätestens dann sind meine mentalen thermo-nuklearen Sprengköpfe scharf gemacht und die Zielprogrammierung per „Pound“-Taste eingerastet – was mich selbst dann regelmässig gefährlich nahe an die Schwelle des Ausrastens heranführt…, der ich mit tiefer Bauchatmung und ans masochistische grenzender Impulskontrolle ein ums andere Mal tapfer gegenübertrete mit dem Ziel, nicht sofort einen verbalen Feuersturm über die menschliche Plastillinfigur hinwegfegen zu lassen, der sie zu einem kleinen Klumpen verkohlter Biomasse verkokelt… Und da nehme mich mir nun die Freiheit, mir ein bißchen auf die Schulter zu klopfen und mein eigenes Hohelied anzustimmen angesichts der Beobachtung, diese Übung eigentlich über die Jahre – oder besser Jahrzehnte – relativ geschmeidig verinnerlicht zu haben. Gestern war wieder so ein Tag, an dem eine dieser Figuren in Machtposition und gesegnet mit einem Betonkopf, der vermutlich bunkerbrechende Bomben abperlen lässt wie Ölzeug ein Sommergewitter, als diese Figur ein vitales, berechtigtes und von meiner sehr engagierten Anwältin perfekt vorbereitetes und vorgetragenes Anliegen in zwei, drei Atemzügen hinwegfegte wie eine lästige Mücke, die zum Stich ansetzen will. Kurz gesagt: Eine vernichtende Breitseite mit Anlauf, die mir im metaphorischen wie auch im buchstäblich physischen Sinne kurzzeitig sämtliche Atemluft aus dem Brustkorb presste! Auf Empörung folgte Zorn, auf Zorn entschlossene Gegenwehr, die auch einige Zeit anhielt, bis sich schlussendlich die gefühlte und dann auch verbal bestätigte Erkenntnis durchsetzte, dass ich verloren hatte. Mit Pauken und Trompeten, Fanfaren und Schellenbäumen!

You win some, you lose some. Gewonnen hab ich nun schon seit einigen Jahren nicht mehr, nicht wirklich. Das Verlieren hat in den vergangenen fünf Jahren eine stattliche Zahl an Überhangmandaten und Sitzen in meinem Lebensparlament angesammelt. But you’ll live to fight another day. Das wird mein Mantra sein müssen, möglicherweise für einige weitere Jahre.

Möge mir dies und allen, die sich die Zeit genommen haben, meinen kleinen Beitrag zu lesen, verlässliche Motivation bleiben. Schönen Tag dann da draußen in Obskuristan!

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Über renovatio06

Former pro-musician, followed by 20 years in the IT(C) industry, coming back to music & words. Zeige alle Beiträge von renovatio06

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