Reprise des Jahrhundertsommers – Teil III

(zurück: zu Teil I, Teil II) … als ich meinen Staatsexamensstudiengang dann ab dem fünften Semester gegen einen herkömmlichen Magister-Studiengang „tauschte“, der damals festen Gewißheit folgend, dass ich zum Lehrer nicht gemacht sei, musste ich feststellen, dass dieser kaum das Papier wert ist, auf den der Promotionsausschuss das Abschlußzeugnis druckt. Also dann – ab in die freie Marktwirtschaft, wo ich ohnehin schon mehr Zeit bei Apple, Microsoft und zum Schluß dem Apple-Tochterunternehmen FileMaker verbrachte als an der Uni. Den weiteren Verlauf meines beruflichen Lebens erspare ich uns an dieser Stelle. Wen’s interessiert, der findet eine ganz kurze Übersicht hier und das typische curriculum vitae hier (allerdings länger nicht mehr aktualisiert – wozu auch…).

Dann kamen historische Meilensteine wie z.B. die Deutsche Wiedervereinigung, die Einführung des Euro und dann die Agenda 2010, die den Wirtschaftsraum Europa zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ machen sollte. Dazu wurde das Sozialsystem und mithin vor allem die Arbeitslosenversicherung radikal umgebaut und beschnitten. Zu dem Zeitpunkt war ich noch in Beschäftigung, zuerst im Angestelltenverhältnis, danach auf freiberuflicher Basis. Aus heutiger Sicht präsentiert sich mir dieses gesamte Programm und seine Folgen (ESM, Fiskalpakt) als vollständige Lüge! Ich gehörte der von Ex-Kanzler Schröder viel gepriesenen Mittelschicht an, die sich flexibilisieren lassen müsse. Spätestens nach der Lektüre dieses Titels von Katja Kullmann weiß ich: Ich habe prekär gearbeitet. Das heißt im Klartext: Viel klotzen und Geklecker behalten dürfen. Und es erging vielen so, wie Katja Kullmann in ihrem Buch bestens nachvollziehbar belegt. Also: Alles gelogen! Vermutlich schon immer… wahrscheinlich ist das Teil der „job description“ dieses offenbar durch und durch korrupten Berufsstandes.

Es ist bald 30 Jahre her, dass ich einerseits das sommerliche Lebensgefühl geniessend, andererseits beklommen in die Zukunft blickte. Auch heute ist so ein Sommertag: Es ist schwülheiß, die Luft steht, verströmt aber diese typisch sommerliche, betörende Süsse.  Die Terassentür ist weit geöffnet. Ab und zu fährt ein Auto in diesem ansonsten ruhigen Wohngebiet vorbei. Über den Seerosen im Teich schwirren Libellen umher. Wenigstens meine Ruhe habe ich hier weitgehend in meiner jetzigen Lebenslage des gefühlten offenen Vollzugs. Und ich muss denken: Welch ein Segen, diese jugendliche Naivität… (frei nach „ignorance is bliss“ im Film The Matrix). Für mehr Beiträge und die Diskussion der Abstimmung in den Mainstream-Medien, siehe hier.

Advertisements

Über renovatio06

Former pro-musician, followed by 20 years in the IT(C) industry, trying to return to music & words. Zeige alle Beiträge von renovatio06

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: