#sitzungsprotokoll

„Das darf ich gar nicht sagen. Aber ich sage es dennoch: Sie sehen nicht gut aus.“ Ich höre es. Und frage mich unwillkürlich – und ein unausgesprochener Vorwurf schwingt in meinem imaginierten Tonfall mit: „Warum sieht sie etwas auf Anhieb und nach über drei Wochen, in denen sie mich nicht sah, das ihr nicht seht? Und ihr seht mich jeden Tag.“ Gut. Zugegeben. Mit (zeitlichem) Abstand sind die Veränderungen leichter sichtbar. Wenn man z.B. jemanden jahrelang nicht gesehen hat. Und dann unvermittelt wieder. Man sieht, ob jemand zu- oder abgenommen hat. Wie er oder sie lebt. Ob gesund oder nicht. Wieviel frische Luft, Erholung, Liebe jemand in dieser Zeit wohl gehabt haben mag. Man sieht vielleicht nicht die genaue „Menge“ oder das Defizit an diesen Erfahrungen, aber man sieht es doch. Mit Abstand. Die kleinen Veränderungen von Tag zu Tag – sie verstecken sich gern hinter jenen Dingen, die unsere Aufmerksamkeit mehr zu beanspruchen scheinen. Wie z.B. das Tagesgeschehen in der Welt. Die Nachrichten. Und zum Schluß: „Das Wetter!“

„Haben Sie schlecht geschlafen“? Hm. Treffer, versenkt! „Ich schlafe immer schlecht.“ „Was heißt ’schlecht‘? Zu kurz, zu wenig tief, zu lang, zu…?“ „Zu wenig. Fünf Stunden. Maximal. Und nicht am Stück.“ „Warum?“ Ich möchte nicht antworten. Möchte nicht zugeben, dass ich zu spät zu viel esse. Aus Frust. Aus Langeweile. Aus Einsamkeit. Aus Angst. Und dazu auch zuviel trinke. Alkoholisches, natürlich. Wer gibt das schon gerne zu?

„Zu viel? Wieviel ist zuviel?“ „Nun ja…. es beginnt harmlos. Ein kleiner Snack am Abend. Man soll doch nicht hungrig ins Bett gehen, richtig? Und dann, irgendwann zwischen dem ersten Bissen des selbst zubereiteten, gesunden Mahls… irgendwann zwischen ‚ich esse nur zu Abend‘ und ‚ach… was soll’s?‘ geschieht es. Ich verliere alle Kontrolle. Esse alles, was der Kühlschrank hergibt. Mit oder ohne Zubereitung. Gesund oder nicht. Kalt oder warm. Egal. Hauptsache: VIEL! „Und dann? Erbrechen Sie sich…?“

Warum sollte ich das tun? Komische Frage. Ich zwinge mich aufzustehen, zwinge mich zu 120 Liegestützen jeden Tag, zwinge mich dazu, das gut zu finden, zwinge mich dazu, den Computer einzuschalten um nachzusehen, ob ich auf irgendeinen mentalen Furz meinerseits vielleicht ein ‚Like‘ bekommen habe. Dann zwinge ich mich – billigen Instantkaffee schlürfend – dazu, diese ‚Likes‘ wichtig zu finden. Mich irgendwie daran zu erinnern, dass es noch einen Unterschied macht, ob ich hier bin oder nicht, solange nur jemand irgendeine meiner rhetorischen Absonderungen nur wenigstens mit einem flüchtigen Mausklick würdigt. Ich zwinge mich dazu, dankbar dafür zu sein, dass mein inzwischen aus der Form geratener Körper noch 120 sinnlose Aufs und Abs meines Torsos hinbekommt. Zwinge mich dazu, das irgendwie gut zu finden. Draußen scheint die Sonne. Oder es regnet. Es ist warm und die Vögel zwitschern munter. Oder es ist kalt und die Vögel haben gerade Urlaub. Ich zwinge mich dazu, beides irgendwie gut zu finden. So mache ich das, solange ich denken kann. Und das soll ich dann per somatischem Reflex alles loswerden? Als sei es nicht geschehen? Als sei gar nichts von irgendwelcher Bedeutung? Komische Frage.

„Sie sehen schlecht aus.“ Finden Sie? Na und?

„Wie sieht es in drei Wochen für Sie aus? Passt das?“ Na. Keine Ahnung.

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Schöne 1-Zimmer Wohnung in München, Hadern

Dachgeschosswohnung (Wohnung/Miete): 1 Zimmer – 20 qm – Stiftsbogen 97, 81375 München, Hadern bei ImmobilienScout24 (Scout-ID: 99106421)

Source: Schöne 1-Zimmer Wohnung in München, Hadern

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Über 21,- EUR pro Quadratmeter! In einem Kellerloch mit fast keinem Tageslicht. Schöne Ausstattung, das schon, aber ein-undzwanzig-verfickte Euro? Und dann noch nicht mal das Exposé richtig hinbekommen. „Dachgeschoß, Etage 3 von 3“. Aha. Ja, wie: Steht das Haus auf dem Kopf oder was….? Es lebe die Globalisierung, es lebe die Gentrifizierung, es lebe die Gier! Und jetzt geht bitte alle schön brav Hr. Lindner wählen, verstanden?!


Abstimmen für Petra Warths Blog allesinklein

Abstimmung für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017

Hier mal etwas von meinem üblichen Themen-Einerlei abweichende und wobei ich meine Besucher*innen um zahlreiche Unterstützung bitten möchte:

„allesinklein“ (allesinklein.com) ist der Blog von Petra Warth, den sie vor einigen Jahren begonnen hat und so toll schreibt und fotografiert, dass ihre Leserschaft kontinuierlich gewachsen ist, sich ein Job draus ergeben hat und nun steht sie kurz davor, womöglich die ersten „offiziellen Weihen“ in Form des scoyo ELTERN! Blog Awards 2017 zu bekommen. Abstimmen und nach Belieben vorher auch ein bißchen in Petras Blog stöbern kann man noch bis 25.09.2017 unter dieser URL:

https://www-de.scoyo.com/…/bl…/eltern-blog-award-2017-voting

(einfach den Link klicken, Petras Blog „allesinklein“ finden und das Herzchen daneben klicken – so hast Du für sie gestimmt.)

Alles Gute und weiterhin viel Erfolg für Deine wirklich herzerwärmenden und auch superinformativen Artikel und Fotoserien, liebe Petra!

P.S. Allesinklein gibt’s auch hier auf Facebook https://www.facebook.com/Allesinklein/


The Times, they are A-Changing

Update zum Filmtheater (Stand 28.08.2017): Mein Anruf bei der Stadt hat ergeben, dass im Augenblick keine konkreten Abrißpläne oder ein derartiger Beschluß besteht… Ich interpretiere das Ergebnis des Telefonats mit dem aufgeschlossen wirkenden Stadtbaumeister so, dass eine Umwidmung bei Vorlage eines schlüssigen und tragfähigen Konzepts nicht ausgeschlossen ist. Das ist erstmal eine für mich sehr gute Nachricht! So kann die Woche beginnen!

 

filmtheater krumbach

(Den nachfolgenden Text habe ich am 27.08.2017 verfasst nachdem mir die Information – oder eher: das Gerücht – zugetragen wurde, dass das oben abgebildete Filmtheater abgerissen werden soll): Ich hab‘ es erst am Freitagabend in einem Nebensatz erfahren, aber die Nachricht hat mich regelrecht erschüttert: Die Stadt Krumbach, in der ich geboren und 19 Jahre lang aufgewachsen bin, hat also offenbar beschlossen, das historische Filmtheater in der Karl-Mantel-Straße abzureißen, falls sich nicht noch ein solventer Käufer findet, der auch über das Budget verfügt, eine Umwidmung der Räumlichkeiten – interessante Nutzungsideen hatte z.B. in der Vergangenheit das ehemalige Subkult-Team, heute buerger:seiten, artikuliert – zu finanzieren.

Ich weiß noch gar nicht so recht, wie ich meine Gefühle angesichts dieser Entscheidung beschreiben soll. Aber sagen wir mal so: In meinen Teenager-Tagen war das Filmtheater Krumbach einer der ersten Orte, der den Geruch von „Erwachsensein“, je nach Film auch „Aufbegehren“ verströmte, eine Stätte, die es immer vermochte, uns aus dem beizeiten nicht allzu spannenden Alltag zu entführen. Bei Kassenschlager-Filmen – vulgo: Blockbustern – musste man in einer Schlange anstehen, die häufig mindestens bis hinaus zum Bürgerstein an der damals noch eher spärlich befahrenen Karl-Mantel-Straße reichte. Die Kinokarten waren zwar im Vergleich zu heute geradezu lachhaft günstig, bedeuteten aber dennoch immer ein Loch in der Taschengeld-Kasse, wo es bereits galt, Prioritäten setzen zu lernen: Die neueste heiße Vinyl-Scheibe oder den angesagten Film-Hit? Beides ging nicht. Jedenfalls nicht für mich.

Das Kassenhäuschen war eigentlich schon die erste Sensation: Ein „Haus im Haus“, gewissermaßen! Dahinter die nie aus der Ruhe zu bringende Kartenverkäuferin oder -verkäufer, Foyer und Parkett hatte eine resolute Dame im Griff, die wir keck „Frau Freundlich“ nannten – weil sie sich niemals scheute, die allzu Vorwitzigen mit ordentlich Hubraum und Dezibel in der Stimme und beizeiten scharfen Kommentaren zur Ordnung zu rufen. („Frau Freundlich“ war die zweite Sensation bei jedem Kinobesuch; eine Schande, dass ich nicht mal ihren richtigen Namen kenne; P.S.: Ein gewogener Krumbacher hat diese unverzeihliche Wissenslücke bei mir nun geschlossen, danke!). Und dann: Der Kinosaal. Das Knarzen des konkav angelegten Parketts, das Sitzmobiliar, das stets nach dieser eigentümlichen Mischung aus Mottenkugeln und Pflegemitteln roch, das langsame Verdunkeln des Saals nach der Trailershow und dem obligatorischen Eiscreme-Verkauf, der „Einzähler“ vor dem eigentlichen Film, das Krachen und Knarren der bereits damals häufig überforderten Lautsprecheranlage, das Getuschel unter Freunden oder Liebespärchen… Kino ist und war Kult, Lebensfreude, Entdeckung und Belohnung zusammen!

Lutz-Volker Spies, den vor allem die Stammgäste im Wiedemannskeller nur unter „Luvo“ kennen, bereitet in diesen Tagen seine Kunstaktion vor, die im November zur Kunstnacht Krumbach fertig sein soll. Unter swingtrait.wordpress.com hat er schon einige Exponate seiner originellen Idee veröffentlicht. So sehr ich seine Initiative, seine Originalität und seine Betriebsamkeit schätze, tröstet es mich doch nur halb, dass das Filmtheater Krumbach zwar mit einem hoffentlich fulminanten, aber bis auf Weiteres dennoch endgültigen Finale den Erwägungen nutzen- und profitorientierter Charaktere anheimfällt.

Aber… wahrscheinlich habe ich nur eine geballte Ladung Sentimentalität in peinlicher Weise öffentlich gemacht. Gut möglich…. #kino#swingtrait,#luvo#kru-kinos, #filmtheater_kru

 filmtheater1_600kino-filmtheater-krumbach

(1) Wes Bound – Die etwas andere Weihnachtsgeschichte: Augsburg,…

Source: (1) Wes Bound – Die etwas andere Weihnachtsgeschichte: Augsburg,…


Obdachlosigkeit am Hamburger Hauptbahnhof: Endstation Elend – hier gilt nur eine einfache Regel – N24.de

Source: Obdachlosigkeit am Hamburger Hauptbahnhof: Endstation Elend – hier gilt nur eine einfache Regel – N24.de

Ich weiß nicht, ob ich es meiner schon früh geübten und in den vergangenen Jahren nochmal bis an die äußersten Grenzen herausgeforderten Kämpfernatur verdenke oder reinem Glück oder einer Kombination aus beiden Faktoren, dass ich selbst (noch) nicht unter solchen Menschen bin (von „leben“ kann da ja beim besten Willen keine Rede sein, es ist bestenfalls ein Überleben und das auf eine sehr überschaubare Zeit hinaus…). De facto bin ich selbst ab 01.11. bis auf weiteres wohnungslos. Ohne wohlmeinende und helfende Familie und Freunde würde mein verbliebener Krempel auf der Straße stehen, wo ich für die unsachgemässe „Lagerung“ vermutlich saftige Strafen zahlen müsste, die wiederum weitere unlösbare Probleme nach sich zögen und eine Kaskade nicht bewältigbarer Schwierigkeiten lostreten würden. Die Ursachen will sich mal wieder niemand ansehen, soviel geht aus dem Artikel auch klar hervor… Wegsehen wird aber auf Dauer nicht helfen, nicht in Hamburg, nicht anderswo in Deutschland….


Wenn es denn jemanden interessierte…

… könnte ich jetzt erzählen, dass ich am 01.11.2016 de facto ohne feste Obdach bin. Wie diese Situation vollständig ohne mein Verschulden und trotz aller Versuche sie abzuwenden sozusagen fest programmiert und selbst mit viel Aufwand und sogar Druck über einflussreiche Kontakte nicht zu vermeiden war. Wie ich ohne noch bestehende Familie und/oder Freunde, die mich nun bereitwillig mietfrei vorübergehend aufnehmen und solange bei sich wohnen lassen, bis ich wieder eine eigene oder eine Sozialwohnung beziehen kann, trotzdem mindestens meine Krankenversicherung verloren hätte, auf die ich aufgrund chronischer Krankheit und laufend notwendigen Bezug einiger teils teurer Medikamente angewiesen bin sowie auf weitere Leistungen, die chronisch gewordene Erkrankung behandeln oder wenigstens lindern. Ich könnte anmerken wie diese bei der Krankenversicherung dann auflaufenden Schulden meine 2017 anstehende und hoffentlich durchgehende Restschuldbefreiung im Zuge einer 2011 angemeldeten und dann ebenfalls mit keiner Eigenleistung mehr abzuwendene Insolvenz gefährden oder eben kippen würden, weil die Forderungen der Krankenversicherung selbst bei Aufnahme von Arbeit – was ich in geringfügigem Umfang immer wieder getan haben – nicht aufzufangen sind (da sich der Staat die Hinzuverdienste zu 70% einbehält und die eigentlich mir zustehenden restlichen 30% für Transport, Mahlzeiten oder auch Dinge wie Büromaterial, Strom, Internet und ähnliches draufgehen).

Wenn es irgendwen auch nur im Ansatz interessierte, könnte ich desweiteren darüber schreiben, wie meine eigene Erfahrung stellvertretend für die vielen tausend weiteren Menschen im Deutschland des Jahres 2016 ist, von denen auch nie jemand erfahren wird oder erfahren hat, weil viele Menschen in meiner Situation bereits vollständig isoliert, häufig alkoholkrank, vielleicht anderweitig krank oder gar mit Behinderung versehen sind, den Lücken des Systems und ebenfalls beizeiten beobachtbarer Behördenwillkür schutz- und rechtlos ausgeliefert und weil Geschichten über die Abgehängten in unserer Gesellschaft, die Alten, die Kranken nunmal kein „Aufreger-Content“ sind, folglich also keine Auflage bei den Mainstream-Medien machen.

Wenn ich glaubte, dass es irgendwen auch nur ein bißchen kratzte, könnte ich jetzt massig Zahlenmaterial finden und beilegen, das wenig bis keinen Zweifel daran lässt, dass ich nicht nur jammere oder dramatisiere oder einfach nur Aufmerksamkeit will, sondern dass die sogenannten „Sicherungssysteme“ im Deutschland des Jahres 2016 einfach nicht funktionieren, nicht funktionieren können, jedenfalls nicht nachhaltig und schon gar nicht für die immer weiter wachsende Zahl von Menschen, die ihre Arbeit aufgrund von Automatisierung und Digitalisierung, immer drastischeren Personalkürzungen wg. unerbittlichen Profitdrucks verlieren, krank werden oder im schlimmsten Fall beides. Sie geraten – wie auch ich vor inzwischen 10 Jahren – in einen Abwärtsstrudel, der je nach unmittelbar vorangehenden Lebensumständen mal gemächlicher, mal schneller dreht, irgendwann aber unbewältigbar wird, zu Zahlungsverzügen führt, die häufig ineffizienten bis quälend lahmarschigen Behördenabläufe inklusive auch dort der kaum vermeidbaren Störungen wie Personalmangel, urlaubs- oder krankheitsbedingten Ausfällen mit sach- und „fall“fremden Vertretungen oder hie und da auch schlichter Inkompetenz geschuldet sind und zu weiteren „Säumnissen“ klientenseitig führen, die jener zwar nicht zu vertreten hat, aber einfach der letzte in der Reihe ist, den dann die „Hunde“ (Gläubiger) beißen.

Wenn es jemand interessierte, könnte ich anmerken, dass die letzten Abschnitte solch ähnlich unglücklicher Lebensläufe in der Regel nicht aus Faulheit, Dummheit, mangelnder Bildung oder gar Bequemlichkeit resultieren, sondern nach meiner Beobachtung und inzwischen 10 Jahren Erfahrung und Recherche eine mittelbare Folge eines entfesselten Neo-Liberalismus‘ und quasi-feudalistischen, weltweit herrschenden Kapitalsystems sind, wo letzteres den Menschen, die die Wirtschaftsleistung schlußendlich erbringen die Bedingungen knallhart aufzwingt und inzwischen sogar die Politik – ursprünglich mal Repräsentanten des sogenannten Volks – kujoniert und erpresst. Würde es irgendwen wirklich interessieren, würde ich mein Essay mit einer Tonne von Quellen untermauern, die diese Aussagen ganz nüchtern in Zahlen ausdrücken.

Zahlen… interessieren aber wiederum mich einen feuchten Kehricht, wenn die eingetretene Lebensrealität so aussieht, dass ich keinen Schritt mehr in eigener Entscheidung tun kann oder kein Ausweg aus dieser Situation erkennbar ist bzw. sich auch mit viel Rechercheeinsatz nicht finden liess, weil es ihn… offenbar gar nicht gibt? (Ich habe jedenfalls nach inzwischen vier Jahren mehr oder minder unentwegter Suche keinen gefunden und auch von den eigentlichen zuständigen Fachstellen und Mitarbeitern keinen Tipp bekommen, sondern eher hinter vorgehaltener Hand geflüsterte Empfehlungen wie z.B. „dann müssen sie vorübergehend etwas unters Kopfkissen legen“ und ähnliche zielführende Expertenratschläge…) Und selbst wenn ich diese unschöne bis beizeiten unerträgliche Tatsache hinnehme, mir die Situation als eine nur vorübergehend schönrede und meiner im unnachahmlich sperrigen Amtsdeutsch eingeforderten Mitwirkungspflicht in allen Punkten immer sofort und umfassend nachkomme, wenn ich also „nach deren Pfeife tanze“ und die bösen Regeln eben hinnehme – selbst dann funktioniert die „Grundsicherung“ auf Dauer nicht, wie der jetzt nötige Umzug von einem Landkreis in einen anderen auf die harte Tour deutlich macht. (dem ging Kündigung wg. Eigenbedarf voraus)

Aber weil es niemand wirklich wissen will, belasse ich es bei diesen Andeutungen und der nun erlebten Erkenntnis, dass der sog. Sozialstaat ein Mythos ist. Und dieser Staat mit seinen Regeln hätte mir am 01.11.2016 unabwendbar ein Leben auf der Straße beschert – nach immerhin ca. 35 Jahren Erwerbstätigkeit mit teils sattsamen Steuerzahlungen und erzwungener Vernichtung aller Ersparnisse. Was mir heute schon aufgrund von gesundheitsbedingtem Vor“ruhe“stand widerfährt, werden alle Gering- und Normalverdiener im Rentenalter ebenfalls erleben, sofern sie nicht Nutzniesser einer Erbschaft in mindestens Millionenhöhe werden. Und das – will dann erst recht keiner mehr wissen. Danke für den Mist, den ihr – Schulsystem, Regierungsvertreter, öffentliche Organisationen, Medien – uns die ganzen Jahrzehnte erzählt habt…

Nachtrag: An meine Leser und Freunde, die sich jetzt Sorgen machen: Für den Augenblick habe ich zum Glück eine Zwischenlösung gefunden. Mein herzlichster Dank geht an jene, die mir – entweder schonmal in der Vergangenheit oder auch anlässlich dieses Eintrags – Unterschlupf bei sich angeboten haben – ihr seid toll! Danke! Ich lasse die Geschichte aber dennoch hier so stehen, weil ich sie u.a. auch – bzw. sogar vorwiegend – deshalb geschrieben habe um mal ein Schlaglicht darauf zu werfen, wie das hier laufen kann – und für immer mehr Menschen auch „läuft“ – und um in meinem kleinen Rahmen zu einer Bewußtseinsänderung in der Bevölkerung beizutragen. Ich bin nicht naiv und weiß und habe erfahren, dass das wie ein Kämpfen gegen Windmühlenflügel ist und manche gleich vorher kapitulieren (und der Kampf mit dem System schlägt sowieso jedem Faß den Boden aus; ich kann mir vorstellen, dass da auch die Zähesten – und zu denen zähle ich mich mal ganz unbescheiden – irgendwann einfach nicht mehr können, wenn von allen Seiten ultimative existentielle Bedrängnis aufgenötigt wird.) Aber ohne Rückkehr zu mehr Solidarität untereinander, ja auch zu Gemeinschaft und vor allem zur Vertretung gemeinsamer Interessen bleibt das sehr, sehr böse für viele Menschen. Und das muss doch überhaupt nicht sein, 0der? Eben. 🙂


KAPITÄN SCHWANDT: Dies ist meine letzte Kolumne

Achtzig Jahre waren meine Ziellinie, die habe ich erreicht. Es grenzt an ein Wunder, dass es mir mit meinem Lebenswandel überhaupt gelang. Seit 63 Jahren habe ich knapp eine Million Zigaretten geraucht und in meinen frühen Jahren mehr gesoffen als andere in mehreren Leben.

Source: KAPITÄN SCHWANDT: Dies ist meine letzte Kolumne

Weiterhin gute Reise, Käpt’n Schwandt! Und danke für Dein Leben!


Kino. Kälte. Kapitulation.

München, Donnerstagnacht am 06.10.2016, ca. 00.30h. Ich war am Nachmittag im #justmusic nahe des nun traurig berühmt gewordenen Olympia-Einkaufszentrums und habe den #maschine_jam-Launch Event der Firma Native Instruments besucht (als Ausdruck von Tagträumerei in der verzweifelt selbst-suggerierten Vorstellung ich gehörte noch in diese Welt der Musik und/oder Technologie), mir dann anschließend seit langem mal wieder Kino gegönnt und #snowden_the_movie im #Atelier München im OmU angeschaut. Dann kleiner Spaziergang über die Sonnenstr. Ost, Kehrtwende auf Höhe Hieber-Lindberg zurück über Stachus bis etwa. BWM Pavillion, dann auf der anderen Seite wieder zurück. Es ist kalt, so um die 7° oder 8°, es weht ein kalter Wind und ich gehe raschen Schrittes um mich aufzuwärmen (Jeans, T-Shirt, Baumwoll-Rolli, Fleecejacke, Winter-Boots). Im Künstlerhaus am Lenbachplatz ist offenbar was los und schräg gegenüber im Heart Bar und Restaurant scheint die Party der Geräuschkulisse nach zu schließen in vollem Gang zu sein.
Kurz vor dem Matthäser passiere ich den Prachtbau des Justizministeriums und Landgerichts, im Volksmund „Justizpalast“ genannt (prächtig wirkte er auf mich noch nie, eher furchteinflössend und mindestens deprimierend, vor allem wenn man sich einen Teil seiner Geschichte in Erinnerung ruft: Die Geschwister Scholl, Gründer und Anführer der Aktivistengruppe Weiße Rose, wurden dort zu Zeiten Hitlers und der Nazis zum Tode verurteilt). Auf den Stufen und in den Eingängen – wie auch schon vorher in Nähe des Stachus‘ und in den rückversetzten und somit windgeschützten Eingängen rund um den Burger King auf der gegenüberliegenden Seite – haben überall Obdachlose in ihren arktistauglichen Schlafsäcken „Nacht“quartier bezogen – vermutlich aber nicht für die ganze Nacht, sondern nur für ein paar Stunden, dann werden Ordnungsamt oder Polizei sie wohl vertreiben. Ich selbst habe nur aufgrund glücklicherer Umstände an diesem Tag das Taschengeld zur Verfügung um mir das Obige als absolut seltene Ausnahme und Glanzlicht eines ansonsten ebenfalls reichlich tristen Daseins leisten zu können. Dieser Luxus sowie die Tatsache noch ein Dach über dem Kopf, Warmwasser, Heizung und Essen sowie Krankenversicherung zu haben trennt mich meilen- oder gar galaxienweit von diesen armen Menschen, die sich mental wohl bereits auf die ersten Frostnächte vorbereiten (weniger mental denn durch Betteln tagsüber und Alkohol kaufen, nehme ich an, damit der ganze Wahnsinn überhaupt irgendwie „erträglich“ wird). Ich friere auch, aber nur kurz und in dem Bewußtsein, dass ich in eine warme, gemütliche Wohnung mit gefülltem Kühlschrank zurückkehre (die ich aber auch nur noch bis Ende dieses Monats habe und dann ist erstmal großes Fragezeichen im Hinblick darauf, ob und wie es weitergeht….). Der Kinofilm ist ob dieses Anblicks und dieser Gedanken beinahe vergessen, spätestens aber beim Erblicken dieser Szene: Inmitten all der Mumienschlafsäcke sitzt er: Ein Asiate, zusammengekauert unter einer dünnen Decke, die so klein ist, dass sie vorne nicht richtig schließt und den Blick auf nackte Füße in Sandalen freigibt. Zyniker – oder Realisten? – werden sicherlich gleich „Inszenzierung“ sagen. Nicht auszuschließen leider, ja, siehe z.B. hier und hier, um nur mal zwei Beispiele herauszugreifen. Aber dann: Wirklich? Am frühen Morgen an einem Wochentag, ca. 20 m weit vom Bürgersteig entfernt im Halbdunkel, in einer Entfernung also, wo man bequem wegschauen und vorgeben kann das kleine frierende Männchen gar nicht gesehen zu haben? Ich bin erstmal fassunglos ob seiner Bekleidung, will aber in meiner Rat- und Hilflosigkeit zunächst auch weitergehen und mir einreden, da stimme was nicht, will mir meine eigene Notlage als „Entschuldigung“ für meine Hartherzigkeit schönreden. Zu guter Letzt halte ich dann aber doch inne, gehe zurück und eile die 20 m vom Bürgersteig auf die kleine freitreppenartige Empore zu während ich in meinem Portemonnaie nach Euromünzen krame. Ich habe nur noch eine und der Zehner, der ansonsten noch in meinem Geldbeutel steckt, ist für das S-Bahn-Ticket reserviert. Also lege ich halt einigermassen peinlich berührt den Euro neben ihn auf den nackten Granit und murmele auf Englisch „that’s all I got right now“ während ich im Erdboden versinken möchte… Wirklich?! Ein Euro? Was soll er denn damit anfangen?! Gleich am kommenden Morgen in eine der sündteueren Bäckereien am Bahnhof gehen und Frühstück für alle einkaufen?! Einen bekackten Euro ist mir das Vergessen wert?! Kann ich nicht nochmal eine Extrarunde zum Geldautomaten am Sendlinger Tor drehen, dort ’nen Fünfziger abheben und ihm den zustecken? Nein, kann ich wirklich nicht. Denn den Fünfziger werde ich brauchen um wenigstens beim Abtransport meiner Möbel und restlichen Haushalts anwesend sein zu können, wo immer der Krempel dann auch hingeht… (an dem ich nicht hänge, dessen Entsorgung aber auch mit Kosten verbunden wäre, die ich nicht decken kann)
Spätestens in dem Moment teilen wir wieder ein ähnliches Schicksal, der mir unbekannte Asiate, der vielleicht die Nacht nicht übersteht – man kann auch bei Plusgraden aufgrund von Unterkühlung erfrieren, wie ich einmal in einem Fachartikel zu dem Thema lesen musste – und ich. Er, in eine dünne Decke gehüllt, halb nackt und allein in einer ihm fremden Welt. Ich, noch nicht nackt, noch nicht erfrierend, aber ebenfalls in einer mir völlig fremden Welt, die ich betreten zu müssen nie für möglich gehalten hätte. Beide blicken wir perspektivlos in eine uns gänzlich unbekannte Zukunft. Nur eines ist sicher: Ob wir das überstehen bzw. überleben kümmert den Rest der Gesellschaft einfach nicht. Es ist kalt, Kino ist schon vergessen – und ich kapituliere.

Übersetzung: Auch für die prekär arbeitenden…

Source: Wes Bound – Übersetzung: Auch für die prekär arbeitenden…


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